Wutausbruch – wie gehen wir mit Noahs Emotionen um?

Noah ist jetzt 20 Monate alt und seine Emotionen sind gerade häufiger mal Thema.

“Kathrin, Noah befindet sich in der Trotzphase. Da hilft nur strenge und konsequente Erziehung! Sonst wird er dir immer auf der Nase herumtanzen.”

“Dieses Theater einfach ignorieren. Er muss merken, dass er nicht immer seinen Willen kriegt!”

“Dein Sohn ist ja ganz schön laut geworden. Sag ihm, dass er leiser sein soll.”

Wenn Kinder in die “Trotzphase” (ich mag das Wort nicht, daher die “”) kommen, soll man plötzlich die gute Beziehung zum Kind über Bord werfen und sich über es erheben. Dann ist man plötzlich mächtig und das Kind klein.

Da haben wir anderthalb Jahre damit verbracht unser Kind kennenzulernen, seine Bedürfnisse zu verstehen, diese zu achten und zu erfüllen und mit Eintritt in die Phase der emotionalen Entwicklung sagen wir: Schluss damit! Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo das Kind funktionieren muss. Aber: Muss es das jetzt? Und vorallem: Kann es das?

Ich lese gerade ein tolles Buch (“Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn”) und auch, wenn ich noch nicht sehr weit gekommen bin, scheint dieses Buch meinem intuitiven Gefühl Recht zu geben. Jetzt könnte ich nacherzählen, was ich über die Hirnentwicklung des Kindes und den Präfrontalen Cortex bereits gelernt habe, aber lest es besser selbst nach. Lohnt sich wirklich!

Was tue ich jetzt aber konkret, wenn Noah von Emotionen eingenommen wird und ich gar nicht mehr an ihn herankomme?

Dafür habe ich einen Zauberspruch: Eichenstamm und Blütentraum, in Noahs Kopf und Herze schau’n.

Nein, natürlich nicht. Unser Zauberspruch lautet: “Was möchtest du?”

Immer wenn er in einem emotionalen Ausbruch steckt, stelle ich ihm diese Frage. Und tatsächlich beantwortet er sie mir jedes Mal! Meist weißt er auf etwas oder drückt gestisch etwas aus. Oft wird es von einem “Da!” untermauert, das mal mehr oder weniger gequält aus ihm herausbricht.

Und dann frage ich als erstes, ob ich seinen Wunsch richtig verstanden habe. “Möchtest du xy?” Und da frage ich so lange, bis die Antwort irgendwann ein Nicken oder “Ja!” ist.

Und dann hängt es an der Situation. Manchmal machen wir dann, was er sich wünscht. Manchmal biete ich ihm einen Kompromiss an (z.B. neue Schuhe anzuziehen, damit doch noch durch die Pfütze gelaufen werden kann. Und manchmal kann sein Wunsch aus verschiedenen Gründen nicht erfüllt werden.

Und hier beginnt der Punkt, an dem ich nur noch seine Emotionen begleiten kann. Dazu benenne ich sie als erstes und beschreibe in einem Satz, wie es zu der Emotion kam. Zum Beispiel: “Du wolltest hier auf die Straße rennen, aber Mama hat nein gesagt. Das macht dich jetzt taurig, weil du gerne dort hingelaufen wärst.”

Tun was er sich wünscht, geht in dem Fall nicht, das wäre viel zu gefährlich. Darum erkläre ich kurz, warum es nicht geht. Ein Kompromiss könnte sein, dass ich ihm Anbiete zur nächsten Ampel zu gehen und mit ihm die Straße zu überqueren, um an die interessante Stelle zu kommen. Dies könnte ich ihm als nächstes vorschlagen. Kompromissvorschläge werden von Noah eigentlich immer gerne angenommen. Selten stimmt er einem Vorschlag zu, kann ihn aber noch nicht begreifen. (z.B. Wir kaufen jetzt kein Brötchen, aber wenn wir zu Hause sind, kannst du gern eins bekommen.) Wenn ich dann weitergehen möchte, ist es für ihn, als könnte ich seinen Wunsch gar nicht erfüllen. Daher braucht er dort mehr Begleitung. Genauso, wenn ich seinen Wunsch wirklich nicht erfüllen kann, weil wir zum Beispiel einen wichtigen Termin haben und ich darum weitergehen möchte. Wir kennen es alle. Dann bricht plötzlich eine Welt für unsere Kinder zusammen und nichts scheint sie zu beruhigen.

Da hilft nur: Die Emotionen weiterhin begleiten. Dazu nehme ich ihn manchmal tröstend in den Arm und entschuldige mich, dass es gerade leider nicht geht und erkläre warum.

Da ihm diese Sache in dem Moment wichtig war, zeige ich ihm, dass ich ihn sehe und sage zum Beispiel: “War der Wunsch xy zu machen so groß? (Oft folgt hier schon ein “Ja!”) Dann kann man auch schonmal traurig/wütend/enttäuscht sein und weinen/auf den Boden stampfen. Und danach wieder zur Ruhe kommen.”

Eigentlich ist danach immer alles in Ordnung und wir kommen auf diese Weise gut miteinander zurecht ohne unsere Beziehung zueinander zu verraten. Tatsächlich glaube ich, dass wir dadurch eine noch stärkere Beziehung zueinander bekommen.

Ich bin gespannt, was ich durch das Buch und vielleicht auch eure Erfahrungen noch für neue Ansätze bekomme und freue mich sehr auf den Austausch mit euch zu diesem Thema!

P.s. Manchmal lösen sich “Probleme” auch von selbst, so wie gestern:

Noah möchte irgendwo hin, ich aber in genau die entgegengesetzte Richtung. Darum halte ich ihn auf, da weint er schon los und ist sichtlich verzweifelt. Dass ich ihn auch noch auf den Arm nehme, gefällt ihm gar nicht. Ich frage ihn: “Was möchtest du?”
“Daaaha!!” (zeigt in die Richtung in die er gehen wollte)
“Du möchtest da lang gehen?”
“Ja.”
“Guck Mal und ich möchte da lang gehen! (Ich zeige in die andere Richtung) Was machen wir denn jetzt?”
“Da!” (er zeigt in die Richtung, in die ich gehen wollte)
“Wir gehen dahin, wo ich hingehen möchte?”
“Ja!”
“Dankeschön, das freut mich gerade sehr!”

Kein Weinen mehr, kein Problem. Einzig und allein das darüber sprechen hat schon gereicht. Natürlich hätte ich ihn auch auf dem Arm behalten können und dorthin gehen können, wo ich hingehen wollte. Aber so ist es doch für alle Beteiligten angenehmer. 🙂

1 Antwort
  1. Isa
    Isa sagte:

    Ich glaube dass das auch eine typfrage des Kindes ist. Meine Tochter ist sprachlich sehr sehr weit (sie ist 2 ubd spricht 4 Wort Sätze) aber wenn sie weint/sich ärgert (oft auch ohne für mich erkennbaren grund, beispielsweise nachts, wo sie aufwacht und bis zu einer Stunde weint) antwortet sie auf alle Angebote mit “nein” ubd auf die frse “was willst/brauchst/möchtest du?” antwortet sie gar nicht. Sie will nicht gestillt, nicht angegriffen, nicht getröstet werden. Sie will nicht ins Tragetuch… Ich kann nur danaben sitzen, versuchen selbst ruhig zu bleiben und immer wieder was anzubieten (mehr für mich, damit ich das Gefühl hab nicht so hilflos zu sein) irgendwann, nach 20-60 min. Hört sie von selbst auf, schluchzt einen Wunsch (stillen, Tragetuch, Schnuller…) und dann ist es als ob nichts geweseändern. Sie kann mir auch danach nicht sagen warum sie geweint hat, ob sie verärgert oder traurig war… Und auch Kompromisse bei sit. Wo ich den Auslöser kenne sind bei ihr nicht so einfach wie bei Noah aus dem Artikel. Wenn antonia was will, dann will sie das, ubd nichts anderes! Und aufgeben ist nicht! Und eine Stunde liebevoll begleiten über schreitet dann manchmal meine Kräfte und es kommen Sätze hoch wie “sei einfach leise!”stopp! Aus!”hör auf!!!” bis hin zu “ich halte das nicht aus! Ich geh raus!”
    Mir hilft dann oft der Gedanke, dass ich die sit. Nicht ändern kann oder muss sondern nur aushalten. Wäre für weitere Ideen und Tipps aber dankbar!

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.