Mama versteht mich nicht! – Regengespräche

Es ist furchtbar, wenn man sein Kind nicht versteht. Das schlimmste Gefühl überhaupt. Auch für das Kind. Als wir heute aus dem Bus ausstiegen, setzte ich Noah wie gewünscht auf den Boden, damit er laufen kann. Kurz vor dem Zebrastreifen brach eine Welt für ihn zusammen und ich wusste einfach nicht was los ist. Meine Fragen trafen nicht ins Schwarze und auch meine Bitte mir zu zeigen, was er gerne möchte, brachte keine Lösung.

Und ich leide. Leide, weil es eigentlich immer klappt und wir sehr gut miteinander kommunizieren. Leide, weil ich sehe, wie weh es meinem Sohn tut, dass ich ihn nicht verstehe. Ausgerechnet ich. Seine Mama. Die Person, die sonst für alle übersetzen kann, sagt immer wieder: “Noah, ich weiß leider nicht was du möchtest, zeig es mir bitte”.
Ein verzweifeltes “Da!”, ein Zeigen in die Luft und Fragezeichen in meinen Augen – Was möchte er nur?

Ich kann ihn überreden, mit mit die Straße zu überqueren. Mittlerweile hatte es zu regnen begonnen und ich wollte gerne schnell nach Hause. Noahs Wunsch musste aber etwas mit der Umgebung zu tun haben, denn an weitergehen war nicht zu denken. Er wollte nicht selber laufen, nicht getragen werden, nichts. Als ich sanft versuchte, ihn zum weitergehen zu bewegen, ließ er sich auf den Popo fallen und schrie aus Leibeskraft. Und auch, wenn mir eigentlich nicht wichtig ist, was andere Menschen über diese Situation denken, blicke ich einmal rechts und links die Straße hoch und Frage mich, wie viele alte Leute bereits hinter ihrer Gardine hervorlinsen.

Wollen wir nach Hause gehen?”, frage ich aber auf diese Frage bekam ich nicht mal ein “Nein” als Antwort. Die Situation war also erschreckend ernst. Ich setze mich neben Noah auf den Bürgersteig. Es regnet immer noch. Ich biete ihm an, in den Arm genommen zu werden, doch er lehnt es weinend ab.

Also sitze ich neben ihm und sage ihm, dass ich auch traurig bin, dass ich seinen Wunsch nicht verstehen kann.
“Da!” schluchzt er neben mir.
“Das ist dein Wunsch, ja.”
“Da.” – Noah nickt.
“Vielleicht kann ich ihn an einem anderen Tag erfüllen, wenn ich dich besser verstehe.”
“Da?”
“An einem anderen Tag.”
Noah steht auf und zeigt in die Richtung unseres zu Hauses.
“Möchtest du nach Hause gehen?”
“Ja!”

Und so gingen wir glücklich nach Hause. Und wenn sie nicht gestorben sind, so rätseln sie noch heute (um was es ging).

Die Situation hat mir so viel gezeigt. Es geht nicht darum, unsere Kinder immer zu verstehen. Gerade in diesem Alter können wir das nicht immer. Es geht darum, authentisch zu bleiben, ehrlich und in Kommunikation zu bleiben. Vor ein paar Jahren hätte ich ihn wohl gepackt und gezwungen mit mir nach Hause zu kommen. Doch ich bin überzeugt, dass uns dieser Weg viel weiter bringen wird. Die Beziehung zu unseren Kindern ist das Wertvollste, was wir haben und darum sollten wir sie pflegen und nicht gefährden.

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