Geschlechterschublade: Mädchen oder Junge – sind unsere Kinder frei?

Mein Kind spielt gerne mit Autos, findet Busse und Züge interessant.
Außerdem spielt es gerne mit Puppen, kocht unheimlich gerne in der Spielküche und füttert Stofftiere.
Mein Kind trägt gerne Hals- und Kopftücher, lässige Hosen und T-Shirts.
Außerdem gerne Armbänder und Ketten.
Mein Kind sucht sich oft grüne, braune und blaue Kleidung aus,
aber ebenso Blumenmuster und selten auch mal ein Kleid.
Mein Kind trägt die Haare gerne offen oder mit dem Kopftuch zurückgezogen.
Meistens fordert es aber einen Zopf ein und manchmal auch eine Haarspange.
Mein Kind spielt auf dem Bauernhof gerne auf dem Traktor, wühlt im Stroh und Heu, füttert die Tiere, klettert auf Bäume und suhlt im Matsch.
Mein Kind streichelt gerne Tiere, kümmert sich um sie, reitet und pflegt sie voller Freude und Hingabe.

Was hab ich denn nun, einen Jungen oder ein Mädchen?
Genau. Ich habe ein wundervolles Kind, das auch mit dem anderen Geschlechtsteil diese Dinge gerne tun würde und eben vom Charakter so ist. Es ist das Wesen des Kindes, nicht das Geschlecht, das es ausmacht!

Und doch bekomme ich immer wieder mit, wie Kinder in Schubladen gepresst werden:

“Puppen sind etwas für Mädchen!”, “Prinzessin lass das, dein Kleid wird ganz dreckig!”, “Jungs sollten kurze Haare tragen!”, “Mädchen kämpfen nicht!”

Da werden Jungs nicht getröstet und Mädchen überbehütet. Nicht etwa, weil wir das Kind sehen, mit den individuellen Bedürfnissen, sondern weil wir eine Rolle sehen. Ein Geschlechterklischee, ein Rollenbild, letztlich eine Schublade, in die wir unsere Kinder pressen.

Da wünschen sich manche bereits vor der Schwangerschaft ein Kind mit einem bestimmten Geschlecht, weil sie damit Eigenschaften assoziieren: Da freuen sich die werdenden Eltern über Kleidchen, Zöpfe und ein rosa Prinzessinenzimmer, sollte sich ein Mädchen ankündigen. Und auf Fußballspielen, Piratenkostüme und blaue Jungszimmer, sollte sich ein Junge ankündigen.

Aber: Werden wir unseren Kindern damit gerecht? Sollten wir sie wirklich in so eine Schublade stecken und uns im Zweifelsfall wünschen, die andere Schublade zugeteilt bekommen zu haben?

Warum lernen wir unsere Kinder nicht unvoreingenommen kennen und lassen sie frei das sein und ausprobieren was sie wollen? Wovor haben wir eigentlich Angst?

Unser Kind ist als Junge auf die Welt gekommen, aber er ist wie alle Kinder ein Kind: Unvoreingenommen, Vorurteilsfrei und Offen. Und diese Eigenschaften finde ich an Kindern so unheimlich berührend. Dann kommen wir Erwachsene mit unseren Schubladen und erklären unseren Kindern anhand dieser die Welt. Kinder würden es nicht komisch finden, wenn ein Junge ein Kleid trägt. Sie finden es nur komisch, wenn ihnen jemand sagt, dass ein Junge das nicht macht!

Der Mensch funktioniert mit Schubladen, diese können hilfreich für uns sein und doch lohnt es sich immer wieder zu hinterfragen, welche Schubladen wir wirklich brauchen und welche wir einfach ausräumen können. Minimalismus für den Kopf sozusagen.

Geschlechtsteile richtig benennen -Warum wir keine Kosenamen nutzen!

Heute habe ich eine Diskussion in einer Mama-Gruppe auf Facebook mitbekommen. Es ging darum, wie wir die Geschlechtsteile vor unseren Kindern benennen. Jeder schrieb die Worte nieder, die im entsprechenden Haushalt verwemdet werden. Von den klassischen Begriffen wie Penis oder Scheide, bis hin zu gängigen Verniedlichungen wie Pipimann und Schniedel, war alles dabei.

Was mich allerdings ziemlich überrascht hat war, dass sehr viele ungewöhnliche Kosenamen für “Penis” und “Vulva” hatten. Und genau das hat mich sehr erschrocken. Ja, sogar entsetzt. Warum? Fragt ihr euch jetzt vielleicht..

In Deutschland wird jedes siebte Kind in seiner Kinder- und Jugendzeit sexuell missbraucht und/oder vergewaltigt. Und ja, das sind erschreckende Zahlen, die einen sehr betroffen machen! Und genau deshalb ist es so wichtig, dass Kinder ihre Geschlechtsteile in einer Form benennen können, die alle verstehen. Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun fragt ihr euch jetzt bestimmt!?

“Immer wenn ich bei Opa bin, spielt er mit meiner Katze/meinem Brötchen/meiner Schnecke/ Susi”. -sagt das vierjährige Kind im Kimdergatten und die Erzieherin denkt sich nichts dabei.

Wird bei diesem Satz eine Erzieherin, ein Nachbar oder eine andere Mama auf dem Spielplatz hellhörig? Sicher nicht. Wenn es ganz schlecht läuft, bekommt das Kind eine Antwort wie “Das ist aber lieb von ihm!”, “Wenn es ihm so schmeckt!”.

Natürlich hofft man, dass es nie das eigene Kind betrifft, aber es ist so wichtig, dass ein Kind immer verstanden wird! Dass es Hilfe bekommt, dass es auffällt, wenn soetwas schreckliches passiert und sich das Kind hilfesuchend an einen Erwachsenen wendet oder auch nur ein scheinbar unbedeutender Halbsatz im kindlichen Spiel gesprochen wird.
Bitte nutzt keine absurden Kosenamen, sondern nennt es beim Namen! Immer.

Damit jedes Kind die Chance hat Hilfe zu bekommen! Damit auch ein Halbsatz im Spiel ausgesprochen ein Alarmsignal werden kann und andere Menschen aufmerksam werden können.

Zwickmühle: Sicherheit vs. Vertrauen – Noahs erste windelfreie Nacht

Es gibt Momente, die sind spannender als jedes Buch und jeder Film, den man jemals gelesen hat. Ja, vielleicht auch jemals lesen wird. Einen dieser Momente erlebe ich gerade oder werde ihn heute Nacht erleben.

Mein 20 Monate alter Sohn ist gerade windelfrei eingeschlafen. Im Familienbett. Nochmal: im Familienbett!

Und diese Tatsache bringt mich in eine Zwickmühle: Ihn wickeln und dabei riskieren ihn zu wecken? Das nächste Stillen im Halbschlaf abwarten und dann schnell unter Tränen eine Windel anziehen (denn schließlich möchte er in dem Moment nur Mamamilch und keine Windel)? Oder es aber riskieren und hoffen, dass die ganzen Aussagen stimmen und Kinder im Schlaf wirklich kein Pipi machen?

Es ist einer dieser Momente, in denen ich mir wünsche, ich hätte früher von Windelfrei gelesen und es komplett und nicht nur fürs große Geschäft durchgezogen. Dann wüsste ich jetzt, wie er sich nachts nur mit einer Unterhose bekleidet verhält. Aber das tue ich nicht, also werde ich mich heute Nacht wohl bei jeder Regung fragen: Ist er jetzt so wach, dass es gleich nass wird?

Jetzt mal im ernst: Selbst wenn er jetzt schon zu 100% am Tag bescheid sagen würde (was er noch nicht tut), wäre ich dann wohl ebenso aufgeregt wie jetzt die Nachtwindel wegzulassen. Ob es für Eltern leichter ist, deren Kinder nicht im Familienbett schlafen? Ich gestehe: die Vorstellung von Kinderpipi geweckt zu werden, ist jetzt nicht gerade die Schönste und trägt enorm zu meiner Aufregung bei.

Aber vielleicht ist es auch ein Geschenk, eine große Chance zu sehen, ob diese Windel in der Nacht überhaupt notwendig ist. Denn genaugenommen ist sie morgens meistens trocken. Wer weiß, was dieses “Versehen” mir zeigen möchte. Eigentlich hatte jede Erfahrung mit meinem Sohn bisher einen Sinn. Und den Sinn dieser Nacht ohne Windel werde ich wohl noch erfahren. Und damit wünsche ich euch eine gute Nacht! Schlaft gut und bleibt trocken!

Mama versteht mich nicht! – Regengespräche

Es ist furchtbar, wenn man sein Kind nicht versteht. Das schlimmste Gefühl überhaupt. Auch für das Kind. Als wir heute aus dem Bus ausstiegen, setzte ich Noah wie gewünscht auf den Boden, damit er laufen kann. Kurz vor dem Zebrastreifen brach eine Welt für ihn zusammen und ich wusste einfach nicht was los ist. Meine Fragen trafen nicht ins Schwarze und auch meine Bitte mir zu zeigen, was er gerne möchte, brachte keine Lösung.

Und ich leide. Leide, weil es eigentlich immer klappt und wir sehr gut miteinander kommunizieren. Leide, weil ich sehe, wie weh es meinem Sohn tut, dass ich ihn nicht verstehe. Ausgerechnet ich. Seine Mama. Die Person, die sonst für alle übersetzen kann, sagt immer wieder: “Noah, ich weiß leider nicht was du möchtest, zeig es mir bitte”.
Ein verzweifeltes “Da!”, ein Zeigen in die Luft und Fragezeichen in meinen Augen – Was möchte er nur?

Ich kann ihn überreden, mit mit die Straße zu überqueren. Mittlerweile hatte es zu regnen begonnen und ich wollte gerne schnell nach Hause. Noahs Wunsch musste aber etwas mit der Umgebung zu tun haben, denn an weitergehen war nicht zu denken. Er wollte nicht selber laufen, nicht getragen werden, nichts. Als ich sanft versuchte, ihn zum weitergehen zu bewegen, ließ er sich auf den Popo fallen und schrie aus Leibeskraft. Und auch, wenn mir eigentlich nicht wichtig ist, was andere Menschen über diese Situation denken, blicke ich einmal rechts und links die Straße hoch und Frage mich, wie viele alte Leute bereits hinter ihrer Gardine hervorlinsen.

Wollen wir nach Hause gehen?”, frage ich aber auf diese Frage bekam ich nicht mal ein “Nein” als Antwort. Die Situation war also erschreckend ernst. Ich setze mich neben Noah auf den Bürgersteig. Es regnet immer noch. Ich biete ihm an, in den Arm genommen zu werden, doch er lehnt es weinend ab.

Also sitze ich neben ihm und sage ihm, dass ich auch traurig bin, dass ich seinen Wunsch nicht verstehen kann.
“Da!” schluchzt er neben mir.
“Das ist dein Wunsch, ja.”
“Da.” – Noah nickt.
“Vielleicht kann ich ihn an einem anderen Tag erfüllen, wenn ich dich besser verstehe.”
“Da?”
“An einem anderen Tag.”
Noah steht auf und zeigt in die Richtung unseres zu Hauses.
“Möchtest du nach Hause gehen?”
“Ja!”

Und so gingen wir glücklich nach Hause. Und wenn sie nicht gestorben sind, so rätseln sie noch heute (um was es ging).

Die Situation hat mir so viel gezeigt. Es geht nicht darum, unsere Kinder immer zu verstehen. Gerade in diesem Alter können wir das nicht immer. Es geht darum, authentisch zu bleiben, ehrlich und in Kommunikation zu bleiben. Vor ein paar Jahren hätte ich ihn wohl gepackt und gezwungen mit mir nach Hause zu kommen. Doch ich bin überzeugt, dass uns dieser Weg viel weiter bringen wird. Die Beziehung zu unseren Kindern ist das Wertvollste, was wir haben und darum sollten wir sie pflegen und nicht gefährden.

Die verzweifelte “Gäbsa”-Suche

Gäbsa bedeutet Erbse. Dass ich da nicht sofort drauf gekommen bin.. Also ehrlich, immer diese Mamas die nichts verstehen. 🙄

Noah zeigt auf sich, dann auf den Schrank in der Küche, in dem sich das Geschirr befindet und schreit “Gäbsa!”
Teller, Tasse, Schüssel. Das war es alles nicht.
“Da!”, Noah zeigt immernoch auf den Schrank und dann auf sich. “Gäbsaaaaaa!”
Ähm, ja. Mehr befindet sich leider nicht in diesem Schrank. Beim fünften Versuch ihm einen Teller anzubieten, sagt er endlich “Ja.”.
Zeigt auf den Teller und schreit wieder “Gäbsaaaaaaahaaaa”.
“Ja, du hast einen Teller!”, sage ich.
Gut, der Teller war nicht gemeint, denn mein Kind weint nämlich laut kreischend los.
“Du möchtest Gäbsa haben?”
“Ja.”
Mein Sohn ist zufrieden, endlich verstehe ich ihn. Immerhin scheinbar. Jetzt bloß nichts anmerken lassen.
Er zeigt auf den Teller, nickt sagt “Gäbsa”.
“Möchtest du etwas essen?” “Ja!”. Oh, das ja war wehemend. Wir haben von gestern noch Kartoffeln, Erbsen und Möhren und Kohlrabischnitzel im Kühlschrank.
Ich greife danach und denke: “Hoffentlich ist das gut was ich hier mache. Gäbsa hat der Supermarkt nämlich nicht.”
Mache ihm das Essen warm, stelle es hin und Noah ist zufrieden.

“Gäbsa. Da!”, zeigt auf die Erbsen, zeigt auf sich, nimmt eine Erbse und steckt sie sich mit der Hand genüsslich in den Mund.
Gäbsa = Erbse. Ich schreibe es besser direkt in mein Wörterbuch Noah – Deutsch. Und auf meine Vokabelkarten. Erbsen isst er im Moment total gerne.

Stillmarathon mit 9 Stillkindern und wie ich das überstand

Häufiges Stillen kann anstrengend sein. Tatsächlich kann ich ein Lied davon singen: Die ersten Monate lebte Noah an meiner Brust, dann folgten Nächte, in denen er halbstündlich stillen wollte und auch jetzt mit 20 Monaten hat er mal wieder eine “Phase”, in der er seine Mamamilch (“Maa” oder auch nur “Da!”) häufiger braucht. Und da soll er sie ja auch bekommen.

Und gerade als ich denke: Oh, das häufige stillen ist ganz schön anstrengend, stille ich nicht nur meinen Sohn, sondern auch acht weitere, sehr stillbedürftige Stillkinder: Drei Puppenkinder, ein Engelchen, eine Gans, einen Löwen, einen Pinguin und ein Ostheimer-Pferd. Besonders das Ostheimer-Pferd hatte einen großen Bedarf! Das liegt vielleicht an seiner hölzernen Beschaffenheit?

Selbstverständlich musste es “echt” sein: Mit nackter Brust und Schmatzgeräuschen, die ich in dieser Intensität von meinem Sohn nicht kenne. Zwischendurch ertöhnt ein “mhhh”, das erahnen lässt, dass meine Milch den Besuchern wohl mundet. Währenddessen kommt mir der Gedanke, dass es ganz gut ist, dass wir heute keine anderen Kinder zu Besuch haben, die Noah wohl auch sehr offensiv an meine Brust weitergeleitet hätte. Denn ganz ehrlich? 9 Stillkinder reichen völlig um einen Stillmarathon zu schaffen, der den ganzen Tag andauert.

Aber immerhin scheine ich einen guten Mama-Job gemacht zu haben. Denn gerade kocht mein Sohn für mich, wahrscheinlich um mich zu entlasten. Es gibt leckere Bahnschienensuppe mit Häckeldeckensoße, die ich gleich – ohne Umwege – aus dem Topf löffeln darf. Mhhh. Und da mein Sohn da nicht so empfindlich ist, darf ich gar zwischendurch die Finger nehmen.
Da brauche ich wohl heute nicht mehr kochen. Mit einem so fleißigen Helfer übersteht man jeden Stillmarathon. Und weil kochen so anstrengend ist, werden die acht Stillkinder zu Bett gebracht und die Mamamilch gehört wieder einzig und allein einem Kind: Noah. Der scheint froh zu sein, dass er seine geliebte Milch nur für einen Tag teilen musste.

Taps, Taps, Taps!

Alle Eltern mit älteren Kindern kennen es: Man hat das Kind ins Bett gebracht und taps taps taps, kommt es wieder ins Wohnzimmer gelaufen.

Es folgen Bitten wie “Ich habe Durst, kannst du mir ein Glas Wasser geben?”, Bedürfnisse wie die Ankündigung auf die Toilette zu müssen oder geklagtes Leid a la “Mama, ich kann nicht schlafen”.

All diese Dinge sind ganz weit weg, wenn das Baby einfach losschreit und man sich fragt: Wann kommt der Zeitpunkt, an dem es endlich versteht, dass ich nicht weg bin, sondern wiederkomme.

Ich kann euch sagen, dass ich sehr froh war, als mein Sohn das erste Mal nach mir rief, statt sein verzweifeltes Weinen zu hören, wenn er plötzlich ohne mich im Familienbett aufwachte.

Aber heute, heute ist etwas zauberhaftes passiert: Heute hörte ich zum ersten Mal ein taps taps taps und erblickte verschlafene Augen, die mich leicht zugekniffen angucken.

Und ich schmelze dahin. Das ist sooo süß! Ich erinnere mich plötzlich an das Gefühl, dass ich als Kind hatte, wenn ich aufstand um ins Wohnzimmer zu gehen. Das Gefühl von der Helligkeit geblendet zu werden. Die Spannung, da dort Prozesse passiert sind, die ich nicht mitbekommen habe. Das Gefühl in einen schützenden Raum zu treten.

Und genau so wirkte mein Sohn heute. Und ich nahm ihm auf den Arm, umarmte ihn und brachte ihn zurück ins Familienbett. Dort blieb ich bis er wieder eingeschlafen war und erfreute mich an dem warmen Gefühl, das dieses “taps taps” und dieser Blick ausgelöst hat.

An diesem Abend habe ich mir fest vorgenommen, dass ich dieses Gefühl tief in meinem Herzen trage. Und wenn ich in ein paar Monaten oder Jahren davon genervt sein sollte, dass er “schon wieder” aufsteht, werde ich an diesen Abend zurückdenken und lächeln.

Mit einem Lächeln sieht die Welt nämlich schon wieder ganz anders aus.

Schlaft schön und süße Träume!

Wochenplan: Das Konzept

Wir organisieren unsere Mahlzeiten nach einem Wochenplan. Wenn alles gut geht, setzen wir uns am Sonntagabend hin und planen die Woche, sodass wir am Montag einkaufen gehen können.

Frisches Obst und Gemüse kaufen wir meist am Donnerstag nochmal nach.

Unser Wochenplan hat ein Konzept, eine äußere Struktur, die uns das auswählen geeigneter, abwechslungsreicher Gerichte einfach macht. Dafür haben wir 6 Bausteine:

1. Das Frühstück

Das Frühstück wiederholt sich jede Woche, das bedeutet, dass jedem Wochentag ein Getreidefrühstück zugeordnet ist. Meist gibt es Obst als Rohkost dazu.

Montag: Milchreis mit Fruchtmus / Obst (roh)

Dienstag: Kokosjoghurt mit roten Früchten und Gerstenflocken / Obst (roh)

Mittwoch: Hirsebrei mit gemalenen Nüssen und Obstmus / Obst (roh)

Donnerstag: Roggenbrötchen mit Saaten und Aufstrichen / Obst (roh) / Gemüse (roh)

Freitag: Müsli mit verschiedenen Flocken (überwiegend Hafer), Saaten, Nüssen, etc und Obst / extra Obst (roh)

Samstag: Cornflakes (Mais, ungezuckert) mit Saaten / Obst (roh)

Sonntag: Dinkelbrötchen mit gemahlenen Nüssen, Saaten und Aufstrichen / Obst (roh) und Gemüse (roh)

2. Zwischenmahlzeit I

Als erste Zwischenmahlzeit gibt es einen grünen Smoothie, der sich immer spontan zusammensetzt mit dem, was gerade da ist und worauf wir Lust haben.

Rotierend sind die drei Bestandteile:

1. Chlorella

2. Weizengras

3. Smoothiepulver

Dazu gibt es 1-2 weitere grüne Zutaten wie Spinat, Grünkohl, Löwenzahn, Brennessel, Salat, etc.

1-2 Obstzutaten

Ggf. ein oder zwei feste Zutaten: Hanfsamen, Haferflocken, Leinsamen, etc

Und eine Flüssigkeit: Wasser oder Kokoswasser, Kai nimmt auch gerne mal grünen Tee.

3. Mittagessen

Das Mittagessen ist nach Thementagen angeordnet, wodurch uns immer ein Gericht einfällt, das man am jeweiligen Tag kochen kann. Unsere Thementage sind:

Montag: Reisgericht

Dienstag: Auflauf- / Pizzatag

Mittwoch: Kartoffeltag

Donnerstag: Suppentag

Freitag: Pfannekuchentag (abwechselnd herzhaft und süß)

Samstag: Polenta- oder Maiswraps-Tag

Sonntag: Nudeltag

4. Zwischenmahlzeit II

Die zweite Zwischenmahlzeit orientiert sich am restlichen Speiseplan. Bestimmte Frühstücksgerichte eignen sich z.B. auch gut als Zwischenmahlzeit am darauffolgenden Tag. Wenn es also Kokosjoghurt mit roten Früchten am Dienstag zum Frühstück gibt, ist dieser meist auch am Mittwoch als Zwischenmahlzeit eingeplant. Wenn es am Freitag süße Pfannekuchen gibt, gibt es als Zwischenmahlzeit Gemüse (roh) mit Dipp, da man zu dem Gericht meist nicht so gerne Gemüserohkost knabbert. Gerade am Wochenende backe ich auch gerne mal, sodass es Gebäck gibt, das dann auch für 2-3 Tage als Zwischenmahlzeit reicht.

5. Abendessen

Zum Abendessen gibt es meist Brot und einen Salat. An Tagen, an denen es morgens bereits Brötchen gab (Donnerstag/Sonntag) und oft auch am Müsli-Tag (Freitag) gibt es abends auch mal kein Brot, sondern eine Kleinigkeit, die schnell gemacht ist. Das wären z.B. Blätterteigtaschen.

6. Dinge, die immer auf dem Tisch stehen

Hier stehen immer verschiedene Nüsse und Trockenfrüchte auf den Tisch, sodass man diese leicht zwischendurch snacken kann, wenn einem danach ist. Die weicheren Nüsse sind auch für Noah verfügbar, die härteren stehen aktuell noch außer Reichweite.

Von (veganer) Ernährung, Wochenplänen und Rezepten – Der Blog hat ein weiteres Thema

Bei manchen Themen sollte man besser den Mund halten, wenn man nicht bereit ist mit Vorureilen, Vorbehalten und den immer wiederkehrenden vorwurfsvollen Phrasen bombardiert zu werden.

Das (Langzeit-)Stillen und Familienbett gehören zu diesen Themen, aber noch viel brisanter und emotionaler sind Fragen rund um die Ernährung oder gar das Impfen.

Unser Sohn isst weitgehend vegan und industriezuckerfrei und wenn das jemand hört, entfacht schnell eine (meist) unschöne Debatte. Und das ist eigentlich ziemlich schade! Denn statt sich über Nährstoffe, Rezepte und Kochgewohnheiten auszutauschen, wird die Diskussion oft nur zu der Grundsatzfrage geführt.

Mit unseren Essgewohnheiten möchte ich niemandem ein schlechtes Gefühl geben oder gar provozieren. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich immer mal wieder mit (gesunder) Ernährung und habe einfach Freude daran. Gerade durch den Fernlehrgang zur ganzheitlichen Ernährungsberaterin (“Fachberaterin für holistische Gesundheit”) und auch die Schwangerschaft und Geburt unseres Sohnes, ist das Thema wieder sehr präsent in unserem Alltag. Essen macht mir Spaß, kochen manchmal weniger, darum soll es schnell, einfach und nahrhaft sein.

Auf Wunsch einiger lieber Menschen aus den BLW-Kreisen (BLW = Baby led weaning), werden wir den Blog um unsere Wochenpläne und auch einige Rezepte erweitern.

Ich hoffe bei dem Thema auf einen friedlichen und inspirierenden Austausch!

Gerade die Wochenpläne sind an unsere Gegebenheiten, Bedürfnisse und Prioritäten angepasst und sollen keine Vorlage darstellen, sondern vielleicht an der ein oder anderen Stelle anregen und inspirieren.

Ernährung ist etwas sehr persönliches und individuelles und soll vorallem eins: Freude machen!

Darum: Viel Freude beim Kochen und gemeinsamen Essen. 🙂

Wutausbruch – wie gehen wir mit Noahs Emotionen um?

Noah ist jetzt 20 Monate alt und seine Emotionen sind gerade häufiger mal Thema.

“Kathrin, Noah befindet sich in der Trotzphase. Da hilft nur strenge und konsequente Erziehung! Sonst wird er dir immer auf der Nase herumtanzen.”

“Dieses Theater einfach ignorieren. Er muss merken, dass er nicht immer seinen Willen kriegt!”

“Dein Sohn ist ja ganz schön laut geworden. Sag ihm, dass er leiser sein soll.”

Wenn Kinder in die “Trotzphase” (ich mag das Wort nicht, daher die “”) kommen, soll man plötzlich die gute Beziehung zum Kind über Bord werfen und sich über es erheben. Dann ist man plötzlich mächtig und das Kind klein.

Da haben wir anderthalb Jahre damit verbracht unser Kind kennenzulernen, seine Bedürfnisse zu verstehen, diese zu achten und zu erfüllen und mit Eintritt in die Phase der emotionalen Entwicklung sagen wir: Schluss damit! Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo das Kind funktionieren muss. Aber: Muss es das jetzt? Und vorallem: Kann es das?

Ich lese gerade ein tolles Buch (“Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn”) und auch, wenn ich noch nicht sehr weit gekommen bin, scheint dieses Buch meinem intuitiven Gefühl Recht zu geben. Jetzt könnte ich nacherzählen, was ich über die Hirnentwicklung des Kindes und den Präfrontalen Cortex bereits gelernt habe, aber lest es besser selbst nach. Lohnt sich wirklich!

Was tue ich jetzt aber konkret, wenn Noah von Emotionen eingenommen wird und ich gar nicht mehr an ihn herankomme?

Dafür habe ich einen Zauberspruch: Eichenstamm und Blütentraum, in Noahs Kopf und Herze schau’n.

Nein, natürlich nicht. Unser Zauberspruch lautet: “Was möchtest du?”

Immer wenn er in einem emotionalen Ausbruch steckt, stelle ich ihm diese Frage. Und tatsächlich beantwortet er sie mir jedes Mal! Meist weißt er auf etwas oder drückt gestisch etwas aus. Oft wird es von einem “Da!” untermauert, das mal mehr oder weniger gequält aus ihm herausbricht.

Und dann frage ich als erstes, ob ich seinen Wunsch richtig verstanden habe. “Möchtest du xy?” Und da frage ich so lange, bis die Antwort irgendwann ein Nicken oder “Ja!” ist.

Und dann hängt es an der Situation. Manchmal machen wir dann, was er sich wünscht. Manchmal biete ich ihm einen Kompromiss an (z.B. neue Schuhe anzuziehen, damit doch noch durch die Pfütze gelaufen werden kann. Und manchmal kann sein Wunsch aus verschiedenen Gründen nicht erfüllt werden.

Und hier beginnt der Punkt, an dem ich nur noch seine Emotionen begleiten kann. Dazu benenne ich sie als erstes und beschreibe in einem Satz, wie es zu der Emotion kam. Zum Beispiel: “Du wolltest hier auf die Straße rennen, aber Mama hat nein gesagt. Das macht dich jetzt taurig, weil du gerne dort hingelaufen wärst.”

Tun was er sich wünscht, geht in dem Fall nicht, das wäre viel zu gefährlich. Darum erkläre ich kurz, warum es nicht geht. Ein Kompromiss könnte sein, dass ich ihm Anbiete zur nächsten Ampel zu gehen und mit ihm die Straße zu überqueren, um an die interessante Stelle zu kommen. Dies könnte ich ihm als nächstes vorschlagen. Kompromissvorschläge werden von Noah eigentlich immer gerne angenommen. Selten stimmt er einem Vorschlag zu, kann ihn aber noch nicht begreifen. (z.B. Wir kaufen jetzt kein Brötchen, aber wenn wir zu Hause sind, kannst du gern eins bekommen.) Wenn ich dann weitergehen möchte, ist es für ihn, als könnte ich seinen Wunsch gar nicht erfüllen. Daher braucht er dort mehr Begleitung. Genauso, wenn ich seinen Wunsch wirklich nicht erfüllen kann, weil wir zum Beispiel einen wichtigen Termin haben und ich darum weitergehen möchte. Wir kennen es alle. Dann bricht plötzlich eine Welt für unsere Kinder zusammen und nichts scheint sie zu beruhigen.

Da hilft nur: Die Emotionen weiterhin begleiten. Dazu nehme ich ihn manchmal tröstend in den Arm und entschuldige mich, dass es gerade leider nicht geht und erkläre warum.

Da ihm diese Sache in dem Moment wichtig war, zeige ich ihm, dass ich ihn sehe und sage zum Beispiel: “War der Wunsch xy zu machen so groß? (Oft folgt hier schon ein “Ja!”) Dann kann man auch schonmal traurig/wütend/enttäuscht sein und weinen/auf den Boden stampfen. Und danach wieder zur Ruhe kommen.”

Eigentlich ist danach immer alles in Ordnung und wir kommen auf diese Weise gut miteinander zurecht ohne unsere Beziehung zueinander zu verraten. Tatsächlich glaube ich, dass wir dadurch eine noch stärkere Beziehung zueinander bekommen.

Ich bin gespannt, was ich durch das Buch und vielleicht auch eure Erfahrungen noch für neue Ansätze bekomme und freue mich sehr auf den Austausch mit euch zu diesem Thema!

P.s. Manchmal lösen sich “Probleme” auch von selbst, so wie gestern:

Noah möchte irgendwo hin, ich aber in genau die entgegengesetzte Richtung. Darum halte ich ihn auf, da weint er schon los und ist sichtlich verzweifelt. Dass ich ihn auch noch auf den Arm nehme, gefällt ihm gar nicht. Ich frage ihn: “Was möchtest du?”
“Daaaha!!” (zeigt in die Richtung in die er gehen wollte)
“Du möchtest da lang gehen?”
“Ja.”
“Guck Mal und ich möchte da lang gehen! (Ich zeige in die andere Richtung) Was machen wir denn jetzt?”
“Da!” (er zeigt in die Richtung, in die ich gehen wollte)
“Wir gehen dahin, wo ich hingehen möchte?”
“Ja!”
“Dankeschön, das freut mich gerade sehr!”

Kein Weinen mehr, kein Problem. Einzig und allein das darüber sprechen hat schon gereicht. Natürlich hätte ich ihn auch auf dem Arm behalten können und dorthin gehen können, wo ich hingehen wollte. Aber so ist es doch für alle Beteiligten angenehmer. 🙂